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Depressionen

Ulrike Dansauer
Donnerstag, 16. April 2009

Depressionen: Erkennen und Behandeln
Rainer Tölle
C.H.Beck
2. durchges. Auflage
München 2003
111 Seiten
€ 7, 90
ISBN: 978-3-406-44739-6

 

Depressionen gehören in Deutschland mittlerweile zu den Volkskrankheiten, werden aber (im Gegensatz zu körperlichen Erkrankungen) gerade im Berufsleben immer noch stigmatisiert.

In diesem sehr informativen Büchlein beschreibt Tölle knapp, aber prägnant die wichtigsten Formen der Depression, geht den Ursachen auf den Grund und zeigt Behandlungsmöglichkeiten auf. Dabei bemüht sich Tölle erfolgreich um einen verständlichen Schreibstil. Er will mit diesem Buch sowohl Betroffene als auch Angehörige ansprechen, um sie über Depressionen zu informieren und wie sich Betroffene helfen lassen bzw. was Angehörige, Freunde und das sonstige soziale Umfeld im Umgang mit Depressiven tun können.

Dabei betont er immer wieder, dass Betroffenen in den meisten Fällen geholfen werden kann - wenn sie die richtige Behandlung erfahren. Denn, wie Tölle schreibt, oft werden Depressionen verkannt oder verstecken sich hinter anderen Krankheiten. Wohl auch um das zu verhindern erklärt er die verschiedenen Arten der Depressionen und deren Behandlungsmöglichkeiten (auf die man den behandelnden Arzt notfalls hinweisen sollte). Er beschränkt sich also nicht nur auf die Darstellung der depressiven Erscheinungsformen (wie es oft geschieht), und er betont immer wieder, wie wichtig die richtige Diagnose ist, um den Betroffenen wirkungsvoll behandeln zu können, denn was für die eine Form der Depression gut ist, nützt bei einer anderen Form nichts.

So ist er auch ein glühender Verfechter des Ansatzes der unterschiedlichen Depressionsformen, und damit der individuellen Behandlungsweise, und lehnt den Ansatz ab, nach dem es eigentlich nur eine Form der Depression gibt (die dann pauschale Behandlungsmethoden nach sich zieht). Insofern ist das Buch wirklich gelungen.

Allerdings erwähnt es höchstens ansatzweise, dass die Bedingungen der Behandlung oft leider alles andere als patientenbezogen sind. Kein Wort beispielsweise über die monatelangen Wartefristen, die man als Patient durchstehen muss, um überhaupt in eine Therapie zu kommen. Ganz zu schweigen davon, dass auch immer die Möglichkeit besteht, dass man mit seinem Psychiater nicht zurechtkommt und dann wieder monatelang warten muss. Oder – schockierend -  dass schwer und schwerst Depressive am längsten von allen warten müssen, bis sie überhaupt einen Therapieplatz erhalten. Ein Bekannter von mir, der schon mehrere Suizidversuche hinter sich hatte, bekam zwar einen Platz, aber die Therapiezeit wurde von der Psychiaterin immer weiter heruntergekürzt, bis er nur noch zweimal im Monat für je 20 Minuten zur Therapie kommen durfte. Die Therapeutin, kurz vor der Pensionierung, hatte sich also ganz offensichtlich nicht mehr um ihn bemüht. Diese Missstände in Deutschland nennt das Buch leider nicht. Außerdem geht die Form der neurotischen Depression völlig unter, wenn es darum geht, wie sich Angehörige und das sonstige soziale Umfeld gegenüber Depressiven verhalten soll.

Fazit: Informatives, verständlich geschriebenes Buch über Depressionen und den Umgang mit ihnen.

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