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Heimatkunde

Ulrike Dansauer
Freitag, 17. April 2009

Heimatkunde: Eine Expedition in die Zone
Ein Dokumentarfilm von Susanne Müller und Andreas Coerper
Smacfilm 2007, DVD-Fassung: Anime Virtual
94 Minuten
FSK: ohne Altersbeschränkung
Mit Bonusmaterial
€ 16, 95

Was machen eigentlich Ossi- und Wessiland 18 Jahre nach der Wiedervereinigung? Dieser Frage geht Martin Sonneborn, Mitherausgeber des Satiremagazins „Titanic“, nach und startet einen Selbstversuch: 250 Kilometer lang will er Berlin von Potsdam aus umrunden und nach neuem Leben im Berliner Grenzland forschen. Und damit das Ganze das gewisse Etwas hat, durchschwimmt er als erster die Havel von West nach Ost. Bei den „Ureinwohnern“ angelangt, trifft er als Erstes einen nackten Mann, der nicht weiß, warum er nackt ist. Er bleibt bis auf weiteres der einzige Aborigine, denn in der Musterhaussiedlung, die Sonneborn als nächstes ansteuert, wohnen 99% Wessis – da erweist sich die Suche nach einem Original-Ossi als wahre Odyssee. In Frohnaus Invalidensiedlung drücken die Erzählungen eines ehemaligen Fremdenlegionärs bei Tee und Gebäck auf den Magen, und in einer einstigen Kaserne, jetzt (umzäuntes) Asylantenheim, bekommt Sonneborn zu hören, dass Deutschland trotz Bitten seitens eines schon 15 Jahre im Heim einsitzenden Asylanten diesen zwar nicht abschieben will, er aber auch nicht arbeiten und das Heim schon gar nicht verlassen darf. In Falkensee verleihen Jauchegruben einem Imbissstand die besondere Note, und am Ende seiner Reise erfährt Sonneborn gar, dass chinesische Investoren Deutschland „platt machen“ wollen – Ost und West!

Phänomenal, wie es Sonneborn immer wieder gelingt, die verschiedensten Arten von Menschen (Ost und West) anzusprechen und ihre Eigenheiten herauszukitzeln. Mit hintersinnigem, trockenem Humor stößt er dabei in ungeahnte Wissensuntiefen vor, buddelt deutsche Geschichte(n) aus und lernt alternative Lebensformen kennen. Da passt das Sprichwort „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen!“ wahrlich gut! Und der Film hat viel zu erzählen über deutsch-deutsche Verhältnisse nach volljähriger Wiedervereinigung…

An Extras bietet die DVD neben einem Booklet mit ein paar Infos zum Film ein über 17-minütiges Gespräch mit Sonneborn, sowie Bonus-Tracks und Mini-Clips mit weiteren, z.T. sehr interessanten Gesprächen mit den deutsch-deutschen Aborigines. Reinschauen lohnt sich!

Fazit: Sehenswert!

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