<- Zurück zu: Startseite

Der Ausreißer

Ulrike Dansauer
Freitag, 08. August 2008
Cover

Hideo Azuma
Aus dem Japanischen von Tsuwame und Resel Rebiersch

Schreiber & Leser
2007 München
190 Seiten

€ 14, 95
ISBN: 978-3-937102-70-1

Es ist schon ein Kreuz: Als Mangaka ist man nur am Schuften, Schuften und nochmals Schuften. Und das von früh morgens bis spät in die Nacht. Dass man da früher oder später  einen Koller bekommt, ist noch das Mindeste. So geht es auch Hideo, der eines Tages von seinem Leben die Nase voll hat und einfach verschwindet. Als Penner lebt er lange Zeit in einem Wäldchen und eignet sich alle Tricks und Kniffe an, die Penner zum Überleben nun mal so brauchen, bis ihn die Polizei schließlich aufspürt und wieder zuhause abliefert. Da das Leben aber so weiter geht wie bisher, reißt Hideo wieder aus.

Amüsant kann man diesen autobiographischen Manga zwar nicht nennen, aber er schafft es, ohne in Selbstmitleid zu schwelgen die Themen Überarbeitung bzw. Ausbeutung der Arbeitskraft und damit einher gehend Alkoholismus, überhöhter Zigarettenkonsum, Angstattacken, Klinikaufenthalt und alles, was sonst noch so dazu gehört, realitätsnah und für den Leser interessant zu vermitteln. Da es ja nicht nur Mangakas so geht, dass sie von der Wirtschaft ausgebeutet werden (das Thema ist auch in Deutschland wieder erschreckend aktuell), kann sich wohl so ziemlich jeder Leser in die Lage Hideos hineinversetzen. Auch wenn man dann nicht unbedingt das Leben eines Penners führen will, so wie Hideo es tut. Die Zeichnungen sind im SD-Stil (SD = super deformed) gehalten, sehen also recht putzig aus. Das schafft ein Stück Distanz zu den Erlebnissen Hideos, ohne aber gleich den Kern der Sache zu verschleiern. Hin und wieder hat das Lektorat Tippfehler und seltsame Satzkonstruktionen übersehen. Abgerundet wird das Werk durch eine Kurzbiographie und ein Interview mit dem Autor Hideo Azuma. Der Manga könnte auch im Unterricht, z.B. im Ethikunterricht, eingesetzt werden.

Fazit: Gelungene Manga-Biographie über diverse Lebenskrisen und deren Verarbeitung, ohne dass der Autor dabei in Selbstmitleid zerfließt. 

<- Zurück zu: Startseite

Kommentare sind für diesen Beitrag geschlossen.